Wie viele Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker gibt es eigentlich in Deutschland – und wie oft suchen Menschen sie auf? Die Antworten liegen verstreut: in Verbandsumfragen, in amtlichen Statistiken und in Gutachten des Bundestages. Selten wird daraus ein zusammenhängendes Bild. Dieser Beitrag führt die wichtigsten belastbaren Zahlen an einem Ort zusammen und ordnet ein, was sie aussagen – und was nicht.
Rund 47.000 – wie viele praktizieren wirklich?
Die am häufigsten genannte Zahl lautet: etwa 47.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker praktizieren in Deutschland. Rechnet man Angestellte und Mitarbeitende hinzu, arbeiten nach derselben Erhebung knapp 60.000 Menschen in deutschen Heilpraktikerpraxen. Diese Werte stammen aus einer repräsentativen Umfrage, die der Berufsverband Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH) im Jahr 2017 durchführte und mit Vergleichsdaten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2015 abglich.
Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um eine Hochrechnung eines Berufsverbands, nicht um eine amtlich gezählte Kopfzahl. Die Stichprobe entsprach nach Angaben des BDH in der Verteilung von Geschlecht und Alter gut den Strukturdaten des Bundesamtes, weshalb die Ergebnisse als repräsentativ gelten. Eine zentrale Meldestelle, die jede erteilte Heilpraktiker-Erlaubnis bundesweit fortlaufend zählt, existiert dagegen nicht – und genau daraus entsteht die Unschärfe, die weiter unten noch wichtig wird.
128.000 Kontakte pro Tag: die überraschende Dimension
Die eigentlich bemerkenswerte Zahl ist nicht die Zahl der Behandler, sondern die der Besuche. Nach der BDH-Umfrage entfallen auf Heilpraktiker rund 128.000 Patientenkontakte pro Tag. Hochgerechnet auf das Jahr sind das etwa 46 Millionen Kontakte – eine Größenordnung, die im Alltag kaum jemand mit dem Beruf verbindet.
Stellt man beide Werte nebeneinander, wird die Dichte sichtbar: 47.000 Behandler auf 46 Millionen Kontakte ergeben rechnerisch rund 980 Patientenkontakte pro Heilpraktiker und Jahr. Der Beruf bewegt sich damit zahlenmäßig in einer Liga, die man eher der ärztlichen Grundversorgung zuordnen würde – auch wenn Aufgaben, Ausbildung und rechtlicher Rahmen völlig andere sind.
Zur Einordnung hilft ein zweiter Vergleich: Bei rund 83 Millionen Einwohnern entspricht eine Größenordnung von 46 Millionen Kontakten rechnerisch etwa einem Besuch auf knapp zwei Menschen pro Jahr. In Wirklichkeit verteilen sich diese Kontakte natürlich nicht gleichmäßig, sondern konzentrieren sich auf einen kleineren Kreis von Menschen, die regelmäßig eine Praxis aufsuchen. Genau deshalb bleibt der Beruf in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter dem Radar – die Zahlen sagen etwas anderes.
Die Zahl beruht auf einer Umfrage des BDH aus dem Juli 2017, an der 1.733 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker teilnahmen. Aus den Angaben zur Praxisauslastung wurde auf den gesamten Berufsstand hochgerechnet. Es ist also ein plausibel geschätzter, kein amtlich gemessener Wert – aber der beste, der öffentlich verfügbar ist.
Warum die Zahlen auseinanderlaufen
Wer weiterrecherchiert, stößt schnell auf scheinbar widersprüchliche Angaben. Ein Sachstand der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (Aktenzeichen WD 9 – 3000 – 043/20) nennt für das Jahr 2014 auf Basis des Statistischen Bundesamtes nur 15.651 Praxen von Heilpraktikern mit 25.794 tätigen Personen. Das ist deutlich weniger als die 47.000 aus der Verbandsumfrage. Ein Widerspruch ist es trotzdem nicht – die Quellen zählen schlicht Unterschiedliches.
Die amtliche Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich erfasst umsatzsteuerpflichtige, registrierte Praxen in einem konkreten Berichtsjahr. Wer nur nebenberuflich, in Teilzeit oder unterhalb der steuerlichen Schwelle behandelt, taucht dort nicht als eigene Praxis auf. Die Verbandshochrechnung schätzt dagegen alle praktizierenden Personen mit Heilpraktiker-Erlaubnis. Hinzu kommen unterschiedliche Bezugsjahre. So erklärt sich die Lücke zwanglos.
Die Lehre daraus ist die eigentliche Botschaft dieses Beitrags: Eine einzige „richtige" Zahl zum Heilpraktikerberuf gibt es nicht. Belastbar wird eine Angabe erst, wenn Quelle, Bezugsjahr und Zählweise dazu genannt werden. Genau das fehlt in vielen kurzen Meldungen zum Thema.
Was der Beruf wirtschaftlich bedeutet
Auch die wirtschaftliche Seite ist gut dokumentiert. Nach der BDH-Umfrage setzen Heilpraktiker in Deutschland jährlich rund eine Milliarde Euro um – eine Größenordnung, die auch der Bundestags-Sachstand nennt. Bemerkenswert ist, wer diese Leistungen bezahlt: den größten Teil tragen die Patientinnen und Patienten selbst.
| Wer zahlt? | Anteil am Umsatz |
|---|---|
| Selbstzahler (aus eigener Tasche) | rund 53 % |
| Private Krankenversicherung | rund 17 % |
| Zusatzversicherungen | rund 16 % |
| Beihilfe | rund 14 % |
Über die Hälfte der Kosten wird also privat und direkt beglichen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen Heilpraktikerleistungen in der Regel nicht; nur über freiwillige Zusatzangebote oder private Policen fließt ein Teil zurück. Was von diesem Umsatz am Ende beim einzelnen Behandler ankommt, ist eine ganz andere Rechnung – Einnahmen sind nicht Einkommen. Diese Frage vertieft der Beitrag Heilpraktiker-Gehalt: Was verdient man wirklich?.
Der rechtliche Rahmen in Kürze
Die Zahlen lassen sich nur vor ihrem rechtlichen Hintergrund verstehen. Grundlage des Berufs ist das Heilpraktikergesetz (HeilprG) von 1939 in seiner heutigen Fassung: Es erlaubt die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche Approbation, aber nur mit behördlicher Erlaubnis und innerhalb klarer Grenzen. Bestimmte Bereiche bleiben ausgeschlossen – etwa die Behandlung meldepflichtiger übertragbarer Krankheiten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) oder die Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel.
Dass so viele Menschen diesen Weg wählen, ist im internationalen Vergleich eine Besonderheit: In den meisten Nachbarländern gibt es keinen eigenständig geregelten Heilpraktikerberuf in dieser Form. Wie ungewöhnlich das deutsche Modell ist, beleuchtet der Beitrag Heilpraktiker in Europa.
Der Beruf in Zahlen – Überblick
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Kennzahlen mitsamt Quelle und Bezugsjahr zusammen. So wird auf einen Blick klar, welche Angabe woher stammt.
| Kennzahl | Wert | Quelle / Jahr |
|---|---|---|
| Praktizierende Heilpraktiker | rund 47.000 | BDH-Umfrage, 2017 |
| Beschäftigte in Praxen insgesamt | knapp 60.000 | BDH-Umfrage, 2017 |
| Registrierte Praxen | 15.651 | Destatis / Bundestag WD 9, 2014 |
| Tätige Personen in diesen Praxen | 25.794 | Destatis / Bundestag WD 9, 2014 |
| Patientenkontakte pro Tag | rund 128.000 | BDH-Umfrage, 2017 |
| Kontakte pro Jahr (hochgerechnet) | rund 46 Mio. | BDH-Umfrage, 2017 |
| Jahresumsatz der Branche | rund 1 Mrd. € | BDH / Destatis |
| Selbst gezahlter Anteil | rund 53 % | BDH-Umfrage, 2017 |
Unter dem Strich zeigt sich ein Beruf, der leiser wirkt, als seine Zahlen es nahelegen: wenige Zehntausend Behandler, aber Millionen Kontakte im Jahr. Wer diese Angaben weiterverwendet, sollte immer die Quelle und das Jahr mitnennen – dann tragen sie. Diese Übersicht dient der Berufsinformation und ist keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden bleibt der ärztliche Rat der richtige erste Schritt.
Häufige Fragen
Wie viele Heilpraktiker gibt es in Deutschland?
Belastbare Schätzungen gehen von rund 47.000 praktizierenden Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern aus. Diese Zahl stammt aus einer repräsentativen Umfrage des Bund Deutscher Heilpraktiker aus dem Jahr 2017, abgeglichen mit Vergleichsdaten des Statistischen Bundesamtes für 2015. Amtliche Strukturdaten zählen dagegen registrierte Praxen und kommen auf eine niedrigere Zahl.
Wie oft gehen Menschen in Deutschland zum Heilpraktiker?
Nach der BDH-Umfrage von 2017 verzeichnen Heilpraktiker rund 128.000 Patientenkontakte pro Tag, hochgerechnet etwa 46 Millionen im Jahr. Der Wert beruht auf einer Verbandsumfrage mit 1.733 Teilnehmenden und ist eine Hochrechnung, kein amtlich gemessener Wert.
Warum schwanken die Zahlen zu Heilpraktikern so stark?
Weil verschiedene Quellen Unterschiedliches zählen. Die amtliche Strukturerhebung erfasst umsatzsteuerpflichtige Praxen in einem bestimmten Jahr – etwa 15.651 Praxen mit 25.794 tätigen Personen für 2014. Verbandshochrechnungen schätzen dagegen alle praktizierenden Personen mit Erlaubnis, auch neben- und teilberufliche. Deshalb lohnt immer der Blick auf Quelle, Jahr und Zählweise.
Zahlen die Krankenkassen Heilpraktiker-Behandlungen?
Überwiegend nicht. Nach der BDH-Umfrage tragen Patientinnen und Patienten rund 53 Prozent der Kosten selbst. Der Rest verteilt sich vor allem auf private Krankenversicherung, Zusatzversicherungen und Beihilfe. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen Heilpraktikerleistungen in der Regel nicht oder nur über freiwillige Zusatzangebote.
Quellen & Literatur
- Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH): Repräsentative Umfrage 2017 – „Jeden Tag gehen in Deutschland 128.000 Patienten zum Heilpraktiker". Meldung bei bdh-online.de. Abgerufen 2026.
- Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Sachstand WD 9 – 3000 – 043/20, „Heilpraktiker in Deutschland" (2020), mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2014. PDF bei bundestag.de. Abgerufen 2026.
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich, Gesundheitswesen (Praxen von Heilpraktikern). Themenbereich Dienstleistungen bei destatis.de. Abgerufen 2026.
- Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz, HeilprG). Volltext bei gesetze-im-internet.de. Abgerufen 2026.


